Thema
Schwimmen, Chlor und grünes Haar
Intensives Schwimmen kann Haar austrocknen und ausbleichen, und grüne Töne stammen meist von Kupfer und nicht vom Chlor selbst.
Die wichtigsten Punkte
- Intensives Schwimmen kann Haar austrocknen und verfärben. Bei 61 % von 67 japanischen Nationalschwimmern traten Verfärbungen auf, gegenüber 0 % von 54 altersgleichen Kontrollpersonen. Das goldene Haar zeigte völligen Verlust der Schuppenschicht, weniger und kleinere Melanosomen (Pigmentkörnchen), einen niedrigeren Schwefelgehalt und nachweisbares Chlor im Kortex. Nanko 2000
- Der vorgeschlagene Mechanismus: Reibung im Wasser entfernt die Schuppenschicht, und hypochlorige Säure im Poolwasser dringt dann ein und oxidiert das Pigment. Nanko 2000 Das beschreibt Spitzensportler, die stundenlang trainieren, nicht ein Bad zum Spaß.
- Grünes Haar kommt meist von Kupfer, nicht von Chlor. Fallberichte verbinden grüne Töne in blondem Haar mit Kupfer aus Haushalts- oder Poolwasser. Begünstigend wirken frühere Schäden (mechanisch, Sonne, Bleichen, Färben, Dauerwelle), häufig gechlortes Wasser und alkalische Shampoos. Die Autoren der Fallberichte beschreiben mehrere Behandlungen, darunter Chelat-Shampoos (EDTA); andere sind chemische oder medizinische Optionen, die man mit einem Arzt besprechen sollte. Mascaro 1995
- Chlor im Pool und Bleichmittel wirken nach derselben Chemie (Oxidation), daher ist gebleichtes oder gefärbtes Haar am stärksten gefährdet (Schlussfolgerung; siehe Bleichen und Färbeschäden).
- Keine Studie zeigt, dass Vorbefeuchten oder eine Badekappe Schäden verhindert. Das sind plausible, risikoarme Ideen.
Die Studienlage
Die Nanko-Studie maß den Schwefelverlust (passend zur Oxidation von Cystin) und Chlor in den Pigmentkörnchen. Die Kontrollgruppe bestand aus Nichtschwimmern, daher lassen sich Expositionsdauer und Chlor nicht von Reibung und Sonne trennen. Bei den Schwimmern bestanden zugleich Nagelschäden. Nanko 2000 Belege zu gewöhnlichem Freizeitschwimmen fehlen.
Was das für dein Haar bedeutet
- Blondes, helles, gebleichtes oder gefärbtes Haar hat die stärkste sichtbare Verfärbung und das größte Risiko für grüne Töne.
- Hochporöses Haar nimmt mehr Wasser, Chlor und Kupfer auf (Schlussfolgerung).
- Lockiges und spiralig gewelltes Haar wird trockener. Ein Leave-in vor dem Schwimmen ist übliche Praxis, aber nicht getestet.
- Hartes Wasser zu Hause erhöht das Risiko durch Kupfer- und Mineralablagerungen.
Mythen und Fakten
- Mythos: Chlor macht blondes Haar grün. Kupferablagerungen tun das, und gechlortes Wasser hilft dem Kupfer, sich an geschädigtes Haar zu binden. Mascaro 1995
- Fakt: Das goldene Haar der Schwimmer zeigte echten strukturellen Verlust, nicht nur oberflächliche Verfärbung.
Fazit
Spüle dein Haar vor und nach dem Schwimmen mit frischem Wasser ab. Trage vorher Spülung oder Öl auf und wasch es bald danach aus (Praxistipp, nicht durch Studien belegt). Wenn du oft schwimmst oder hartes Wasser hast, hilft ab und zu ein Chelat- oder Klärshampoo gegen Kupfer; EDDS bindet Kupfer auch bei vorhandenem Calcium weiter, wo EDTA versagt (Naqvi 2013). Bei langen Trainingseinheiten schützt eine Badekappe.
Studien 3
Naqvi KR et al. The role of chelants in controlling Cu(II)-induced radical chemistry in oxidative hair colouring products. Int J Cosmet Sci. 2013
Getestet: die Chelatbildner EDTA und EDDS, zu einer Haarfarbmischung mit Kupfer- und Calcium-Ionen gegeben
Ergebnis: Kupfer löste schädigende Hydroxylradikale aus. EDTA stoppte sie nur ohne Calcium, von dem Haar voll ist. EDDS stoppte sie auch bei gleichzeitig vorhandenem Calcium und Kupfer und verringerte Schuppenschäden und Proteinverlust.
Studie lesen ↗Nanko H et al. Hair-discoloration of Japanese elite swimmers. J Dermatol. 2000
Ergebnis: 61 % der Schwimmer hatten eine Haarverfärbung gegenüber 0 % der Kontrollen; betroffenes Haar hatte seine Schuppenschicht verloren, weniger Melanosomen, weniger Schwefel und nachweisbares Chlor.
Studie lesen ↗Mascaro JM Jr et al. Green hair. Cutis. 1995
Ergebnis: Grüne Töne in blondem Haar stammten von Kupfer im Haushalts- oder Poolwasser, begünstigt durch vorherige Haarschädigung, gechlortes Wasser und alkalische Shampoos.
Studie lesen ↗Verwandt
- Bleichen und FarbschädenBleichen und dauerhaftes Färben schädigen die Haarfaser bei jedem Haartyp chemisch, und den größten Teil dieser Schäden kann man nicht rückgängig machen.
- UV und Sonnenschäden am HaarSonnenlicht bleicht Farbe aus und schwächt das Haar durch freie Radikale. Helles, gebleichtes und gefärbtes Haar ist am stärksten betroffen.
- Haarschäden: was sie sind und woher sie kommenSchäden summieren sich und lassen sich biologisch nicht heilen; chemische Behandlungen, Hitze, Sonne, Wasser und Styling tragen jeweils dazu bei.